Mit scharfer Klinge

Spielerinnen des US-Teams feiern ein Tor von Carin Jennings (12) im Gruppenspiel gegen Schweden. © FIFA Museum
Spielerinnen des US-Teams feiern ein Tor von Carin Jennings (12) im Gruppenspiel gegen Schweden. © FIFA Museum

Kaum eine andere Sturmlinie sorgte im Frauenfussball derart für Furore wie das Sturmtrio, das bei der ersten Frauen-WM die Torschützenlisten dominierte und zusammen als „dreischneidiges Schwert“ bekannt wurde.

Schon beim Qualifikationsturnier im April 1991 in Port-au-Prince (Haiti) liess das US-Team keinen Zweifel an seinen Ambitionen und sicherte sich mit fünf Siegen und 49 Toren souverän den einzigen Concacaf-Startplatz bei der ersten Frauen-Weltmeisterschaft in der VR China. Drei Stürmerinnen waren dabei ganz besonders in Torlaune: Michelle Akers mit elf Treffern, Spielführerin April Heinrichs mit acht und Carin Jennings mit fünf.

Damit war das „dreischneidige Schwert“ (Triple-Edged Sword) geboren, auch wenn die drei erst bei der WM-Endrunde sechs Monate später auf diesen Namen getauft werden sollten, nachdem sie sich mit chirurgischer Präzision durch die Abwehrreihen ihrer Gegnerinnen kombiniert hatten.

Schon drei Jahre zuvor, bei der quasi Generalprobe der WM ebenfalls in Guangzhou, waren die Erwartungen hoch gewesen. Dort mussten die USA allerdings schon im Viertelfinale die Segel streichen. Nachdem Heinrichs schon vor dem Turnier ausgefallen war, war es für Akkers nach nur zwei Spielen wegen einer Kopfverletzung vorbei. Nach dem 0:1 im Viertelfinale gegen Erzrivale Norwegen wurde viel darüber spekuliert, was die USA bei der WM drei Jahre später zu leisten vermochten.

Die drei Gewinner der Einzeltrophäen bei der Verleihung direkt nach dem Finale. Von links nach rechts: Linda Medalen (Bronzener Ball - drittbeste Spielerin), Michelle Akers (Goldener Schuh - beste Torschützin - und Silberner Ball - zweitbeste Spielerin) &
Die drei Gewinner der Einzeltrophäen bei der Verleihung direkt nach dem Finale. Von links nach rechts: Linda Medalen (Bronzener Ball - drittbeste Spielerin), Michelle Akers (Goldener Schuh - beste Torschützin - und Silberner Ball - zweitbeste Spielerin) & Carin Jennings (Goldener Ball - beste Spielerin). © FIFA Museum (Klicken zum Vergrössern)

Im November 1991 startete das US-Team dann furios ins WM-Turnier. Allerdings mussten sie dann trotzdem am ersten Ende des ersten Spiels noch zittern. „Wir waren naiv, sorgten aber auch für ein Riesenspektakel“, sagte US-Trainer Anson Dorrance nach dem Auftaktspiel gegen Schweden, in dem sein Team nach einer 3:0-Führung dank zwei Toren von Jennings sowie einem Treffer der 19-jährigen Mia Hamm weiter blind nach vorne stürmte und prompt zweimal eiskalt erwischt wurde. „Hätte das Spiel 90 Minuten gedauert, hätten wir verloren“, war Dorrance überzeugt.

Dennoch stürmten sie auch in den folgenden fünf Spielen weiter auf die Tore der Gegnerinnen. Wenn eine Klinge des dreischneidigen Schwerts für einmal etwas stumpfer schien, war eine andere dafür umso schärfer. Beim 5:0-Sieg gegen Brasilien im zweiten Spiel trafen gleich alle drei  Heinrichs gar zweimal. Beim 3:0-Erfolg gegen Japan im dritten Gruppenspiel verewigte sich auch Akers als Doppeltorschützin, ehe sie im Viertelfinale gegen Chinese Taipei so richtig heiss lief und mit fünf Treffern einen WM-Rekord aufstellte, der bis heute weder bei den Männern noch bei den Frauen übertroffen wurde.

Im Halbfinale gegen die wiedervereinigte deutsche Auswahl übernahmen dann wieder die beiden anderen das Zepter. So sorgte Jennings mit ihrem Hattrick in der ersten Halbzeit für die Vorentscheidung, ehe Heinrichs nach zwei Gegentreffern mit einem Doppelschlag zum 5:2 alles klarmachte.

US-Kapitän April Heinrichs mit dem WM-Pokal nach dem Finale zwischen Norwegen und den USA.  © FIFA Museum
US-Kapitän April Heinrichs mit dem WM-Pokal nach dem Finale zwischen Norwegen und den USA. © FIFA Museum (Klicken zum Vergrössern)

23 Tore lautete die beeindruckende Bilanz der USA vor dem Finale, von denen nicht weniger als 18 aufs Konto ihres Sturmtrios gingen. Im Endspiel machte Akers die 20 voll und setzte mit ihrem Treffer zum 2:1-Sieg gegen Norwegen zwei Minuten vor Schluss einem für sie und ihre Mitstürmerinnen sagenhaften Turnier die Krone auf. Die chinesischen Medien waren voll des Lobes für das dreischneidige Schwert und verliehen dem Trio damit einen Spitznamen, der bis heute geblieben ist.

„April Heinrichs ist eine der ehrgeizigsten Personen, die ich kenne – auf und neben dem Platz“, erklärte Jennings später. „Und für Michelle Akers gibt es keine halben Sachen. Es war ein unglaubliches Glück und Privileg, mit ihnen zusammenzuspielen.“ Während Jennings als beste Spielerin des Turniers mit dem goldenen Ball und Akers dank ihren zehn Toren als Torschützenkönigin mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet wurde, blieb Heinrichs die Ehre, als erste Frau den Pokal der Frauen-WM in die Höhe zu stemmen.

 

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