Angerer: Wenn ein Hut zum Symbol wird

Es ist diese ganz spezielle Portion Selbstvertrauen, die von Nöten ist, um auf grossen Bühnen nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Eine Frau, die genau weiss, wie sie ein Weltpublikum zum Staunen bringt: Nadine Angerer.

Wenn am kommenden Dienstag das neu eröffnete FIFA Welt Fussball Museum in Zürich anlässlich des Internationalen Frauentages allen weiblichen Besuchern freien Eintritt gewährt, steht auch ein Highlight der Dauerausstellung besonders im Fokus - das Markenzeichen der ehemaligen deutschen Nationaltorhüterin.

Nicht etwa Original-Torwarthandschuhe der zweifachen Welt- und fünfmaligen Europameisterin werden gezeigt. Und auch nicht die Goldmedaille, die die mittlerweile 37-Jährige bei der Frauen-WM 2007 in China erhielt, nachdem sie ihr Team mit unzähligen Glanzparaden zum Titel führte, ohne ein einziges Gegentor während des gesamten Turniers kassiert zu haben. Es ist ein Hut. Ein schwarzer, durchaus modischer Hut.

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Freier Eintritt für weibliche Besucher am 8. März

Anlässlich des Internationalen Frauentages haben alle weiblichen Besucher am kommenden Dienstag, 8. März 2016, freien Eintritt im FIFA Welt Fussball Museum.
Jener Hut, den die im vergangenen Sommer von ihrer aktiven Laufbahn zurückgetretene Angerer häufig auf hatte, wenn sie in der Öffentlichkeit stand. Und den sie vor allem an jenem Abend des 13. Januar 2014 im Zürcher Kongresshaus trug, als sie auf der Bühne vor einem TV-Millionenpublikum an der Seite von Cristiano Ronaldo als erster Goalie überhaupt zur FIFA Weltfussballerin des Jahres gekürt wurde.

Nun könnte man behaupten, Charakterkopf Angerer wollte schon immer etwas anders sein als der Rest - ganz so wie es sich für einen Torwart gehört. Man könnte auch sagen, der legendäre Hut sollte schlichtweg für Aufmerksamkeit sorgen. Wer die Frau, die zwischen 1996 und 2015 phänomenale 146 Länderspiele absolvierte, obwohl sie eigentlich erst 2007 zur Nummer eins zwischen den deutschen Pfosten avancierte, schon einmal persönlich kennenlernen durfte, weiss jedoch genau: das ist allenfalls ein kleiner Bruchteil der Wahrheit.

Karrierestationen in Deutschland, Schweden, Australien und den USA: In gleichem Masse, wie sie die ultimative Extraklasse im Tor verkörperte, strahlt sie fernab des grünen Rasens den puren Lebensgenuss, unbändige Neugierde und absolute Willensstärke aus. Angerer weiss, was sie will. Und sie holt es sich auch.

Ihr Lieblingsoutfit? "Lässig, einfach lässig! Die Mütze muss immer sein! Oder halt der Hut", beschrieb sich die Querdenkerin kürzlich im Interview mit FIFA.com. "Das Witzige ist ja, dass ich das schon seit 15 Jahren so mache. Aber nach der WM 2007 sagten plötzlich alle: 'Oha, die läuft ja immer mit 'ner Mütze rum!' Ich will damit nicht auffallen. Ich bin einfach nur viel zu faul, jeden Morgen meine Haare zu machen. Das ist alles!"

Die Glasvitrinen zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaften zeigen - neben zahlreichen anderen spektakulären Objekten - weit mehr als nur einen profanen Hut. Denn dieser ist ein Symbol für all jene Stärke, die diese einzigartige Torhüterin auszeichnete und die deutschen Damen zwischenzeitlich an die Spitze des weltweiten Frauenfussballs brachte. Der Hut wird damit zum Sinnbild für das, was den Internationalen Frauentag heutzutage prägt: weibliches Selbstvertrauen.

Das FIFA Welt Fussball Museum stellt die phänomenale Entwicklung des Frauenfussballs in zahlreichen Facetten dar - Tag für Tag. "Wir zeigen, wie der Fussball das Leben der Menschen auf der ganzen Welt - und darunter sind auch sehr viele Frauen und Mädchen - bereichert", so Museumsdirektor Stefan Jost. Wenn am kommenden Dienstag zum Internationalen Frauentag alle weiblichen Besucher freien Eintritt haben, werden ein symbolträchtiger Hut, aber auch unzählige andere Objekte der weiblichen Seite des Fussballs ganz besonders im Fokus stehen.