Briana Scurry: "Ich fühle mich unglaublich geehrt"

Sie gilt als eine der grössten Torhüterinnen in der Geschichte des Frauenfussballs. Die ehemalige US-Nationalspielerin Briana Scurry spielte eine Schlüsselrolle für ihr Land, als sie mit dem Gastgeberteam die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 1999 gewann. Heutzutage wird sie als eine Pionierin des immer populärer werdenden Frauenfussballs betrachtet.

Die von ihr im Eröffnungsspiel der Endrunde vor 17 Jahren in den USA getragenen Handschuhe und ihr Trikot sind nun in unserer Ausstellung zu sehen. Vor 78.972 Zuschauern im Giants Stadium von New York/New Jersey gelang den "Stars and Stripes" am 19. Juli 1999 ein 3:0-Auftaktsieg gegen Dänemark. Scurry blieb ohne Gegentor und sollte auch im weiteren Turnierverlauf mit beeindruckenden Leistungen für Furore sorgen.

Wir sprachen mit der mittlerweile 44-Jährigen über Erinnerungen und Emotionen sowie über die Entwicklung des Frauenfussballs und die Bedeutung für sie, nun ein Teil des FIFA World Football Museums in Zürich zu sein.

 

 

Brianna, wie fühlte es sich an, als erstes Team eine Frauen-WM vor heimischer Kulisse zu gewinnen?
Es war eine fantastische Ehre! Um ehrlich zu sein, wusste ich bis vor kurzem nicht einmal, dass das überhaupt der Fall war. Die Erwartungen, im eigenen Land zu gewinnen, sind hoch – zumindest war es bei uns damals so. Ich bin so froh, dass wir in der Lage waren, die Trophäe nach Hause zu holen.

Eine Rekordkulisse von 90.185 begleitete das Finale vor Ort im Rose Bowl von Pasadena. Was ging in Ihnen vor, als Sie mit Ihren Teamkolleginnen das Stadion betraten?
Ich wusste, dass wir kurz davor standen, alles zu erreichen, was wir immer gewollt hatten. Aber mir war auch bewusst, dass wir dazu die Chinesinnen, die während der Endrunde in Topform waren, erst noch bezwingen mussten. Es war erstaunlich, in der Mitte von 90.000 Menschen zu stehen, die allesamt wollten, dass wir gewinnen. Ich wusste, dass ich komplett und absolut fokussiert sein musste, dass es nun an der Zeit war, meinen Job zu erledigen und dass ich die Chinesinnen davon abhalten könnte, zu gewinnen.

Hatten Sie erwartet, dass das Endspiel über die reguläre Spielzeit von 90 Minuten torlos bleiben und man in die Verlängerung gehen würde?
Ich erwartete, dass es ein episches Spiel werden würde. Und so war es auch! Alles, was ich tun wollte, war, dafür zu sorgen, dass das Tornetz hinter mir nicht zappelt – und meine Teamkolleginnen würden sich schon um alles andere kümmern. Ich erwartete, dass ich ohne Gegentor bleibe. Nicht jedoch, dass auf der Gegenseite ebenfalls kein Tor fällt. Als die Verlängerung beendet war und wir ins Elfmeterschiessen gingen, wusste ich tief in meinem Herzen, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde.

Im Elfmeterschiessen konnten Sie den Schuss der Chinesin Liu Ying parieren. Erinnern Sie sich an das Gefühl, als Ihnen bewusst wurde, dass Sie damit Ihrer Teamkollegin Brandi Chastain die Möglichkeit gaben, den Siegtreffer zu erzielen und damit den Titelgewinn perfekt zu machen?
Normalerweise blicke ich nicht auf die Schützin, wenn sie zum Elfmeter antritt. Aber etwas in meinem Kopf sagte mir, dass ich auf sie schauen sollte – und ich tat es, wie man auf Videos sehen kann. Ich beobachtete, wie sie loslief, um den Ball zu holen. Sie liess ihre Schultern hängen und ihre Körpersprache verriet mir, dass sie diesen Elfmeter nicht schiessen wollte. In diesem Moment sagte ich zu mir selbst: 'Das ist meine Chance!' Und genauso war es. Egal wohin sie geschossen hätte, ich wusste, dass ich den Schuss parieren würde.

Wie wichtig war diese Weltmeisterschaft für das Wachstum des Frauenfussballs in den USA? Und welches Vermächtnis hat sie in Ihrem Heimatland hinterlassen?
Unser Erfolg bei der Frauen-WM 1999 war wesentlich für das Wachstum vieler Dinge in den USA und auf internationaler Ebene. Wir schafften es, von einem Tag auf den anderen vom Image der "Mädchen von nebenan" zu "America's Sweethearts" zu werden. Wir haben gezeigt, dass Frauen schön und kraftvoll zugleich sein können. Und wir haben gezeigt, dass auch andere Verbände in ihre Frauenteams investieren sollten. Wir haben ein Zeichen in den USA gesetzt, das den Fussball auf die Landkarte setzte und die Zahl der Fussballspielerinnen explodieren liess. Aber am Wichtigsten: Wir haben eine ganze Generation junger Mädchen dazu inspiriert, dass sie Champions werden können.

Das FIFA World Football Museum feierte im Februar dieses Jahres in Zürich seine Eröffnung. Wie fühlt es sich an, ein Teil davon zu sein?
Es ist ein fantastischer Ort, um die Geschichte dieses schönen Spiels zu erleben und zu verstehen. Ich fühle mich unglaublich geehrt, ein Teil einer so langen und bewegten Geschichte des Sports zu sein und dadurch mit all jenen wundervollen Fussballerinnen und Fussballern, die vor und nach mir kamen, verbunden zu sein.

Sie haben dem Museum zwei Objekte von Ihrer Teilnahme an der FIFA Frauen-WM 1999 gespendet. Wie wichtig ist es, dass Spieler und Trainer historische Objekte hinterlassen, so dass sie für weitere Generationen präsentiert werden können?
Es ist von grösster Bedeutung, Objekte öffentlich darzustellen. Sie ermöglichen es, dass die Besucher des FIFA World Football Museums ein echtes und authentisches Verständnis dafür entwickeln. Von den Original-Handschuhen, die ich trug, bis hin zu Original-Schuhen, die einige der faszinierendsten Tore der Fussballgeschichte schossen, und den Trikots, die von den berühmtesten Spielerinnen und Spielern getragen wurden – all diese Objekte zeigen die Evolution dieses Sports. Sie sind wichtig, denn sie waren ein Teil der bedeutenden Momente des Fussballs.