Forlán und das legendäre Haarband

Bei vielen Fussballern gehört es mittlerweile zur unverzichtbaren Ausrüstung: ein Haarband, mit dem lange Haare aus dem Gesicht gehalten werden, damit sie auf dem Platz nicht stören. Ein ganz besonderes Exemplar dieses ebenso einfachen wie nützlichen Hilfsmittels ist im FIFA World Football Museum zu sehen - das Haarband, das Diego Forlán bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ trug, die er mit Uruguay auf dem vierten Rang abschloss, und das der Angreifer dem neuen Zuhause der Fussballgeschichte spendete.

In Südafrika bestritt Forlán alle sieben Partien seines Teams, war mit fünf Treffern - gleichauf mit drei weiteren Spielern - erfolgreichster Torschütze des Turniers und wurde mit dem Goldenen Ball für den besten Spieler der Endrunde ausgezeichnet. Vor allem sein Tor im dramatischen Viertelfinale gegen Ghana, ein direkt verwandelter Freistoss zum 1:1-Ausgleich, dürfte vielen Fussballfans im Gedächtnis geblieben sein.

"Das Haarband von der WM 2010 war sehr angenehm zu tragen und hatte meine Initialen eingestickt", erinnert sich Diego Forlán, der im Verlauf seiner Karriere verschiedenste Methoden ausprobierte, um seine Haarpracht zu bändigen: "Anfangs nahm ich dafür einfach einen Schnürsenkel. Im Jahr 2000 kam ich dann auf die Idee, mir aus Damenstrümpfen selbst Stirnbänder zu basteln. Die hatten gegenüber handelsüblichen Haargummis den Vorteil, dass sie weder einschnitten noch an den Haaren ziepten."

Ähnliche Utensilien wurden, obwohl es bis in die 1960er-Jahre hinein kaum langhaarige Fussballer gab, schon bei den allerersten Austragungen der Weltmeisterschaft von einigen Akteuren verwendet. So hatte sich, wie historische Aufnahmen zeigen, bei der WM 1930 in Uruguay der Bolivianer Juan Argote ein weisses Tuch um den Kopf geschlungen, genau wie Luigi Bertolini, der 1934 mit Italien den Titel holte.

Allerdings hatte keiner der beiden eine Frisur, die diese Massnahme wirklich nötig machte. Stattdessen wollten sie dadurch den Aufprall bei Kopfbällen dämpfen sowie verhindern, dass ihnen Schweiss in die Augen lief. Diejenigen ihrer Kollegen, die tatsächlich etwas längere Haare hatten, behalfen sich hingegen lieber mit Haargel.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Menschen in den betroffenen Ländern vorerst Wichtigeres zu tun, als sich Gedanken um Haarlängen zu machen. Mit Ausbruch der Popkultur zu Beginn der Sechzigerjahre kamen dann aber wallende Mähnen zunehmend in Mode, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auch unter Fussballspielern immer beliebter wurden.

Einen ungewöhnlichen Grund für die Wahl seines Haarschnitts hatte der legendäre Bobby Charlton. Der Star des Gastgebers der WM 1966 in England versuchte, seine beginnende Glatze zu kaschieren, indem er die Haare auf einer Seite wachsen liess und über die kahlen Stellen kämmte. Da er sie nicht feststeckte oder auf andere Weise fixierte, lösten sich oft bis zu 20 Zentimeter lange Strähnen, die daraufhin fröhlich im Wind flatterten.

Kaum Probleme mit störenden Haaren vor den Augen hatten die Spieler der Siebzigerjahre, war doch damals der Pony – mit Koteletten – schwer in Mode. Sowohl spielerisch als auch frisurentechnisch herausragende Akteure dieser Zeit, die ganz ohne Haarband auskamen, waren zum Beispiel Mario Alberto Kempes, Ubaldo Fillol, Gerd Müller und Johan Cruyff.

Stets freie Sicht auf das Spielgeschehen garantierte auch der durch die Discomusik populär gewordene Afrolook. Der Brasilianer Sócrates trug dennoch gerne Stirnbänder, die er oftmals mit politischen Botschaften versah.

Für grosses Aufsehen sorgte bei seinem WM-Debüt 1990 in Italien der Kolumbianer Carlos Valderrama - nicht nur mit seinen fussballerischen Fähigkeiten, sondern auch mit seinen zitronengelben Ringellocken. Sein härtester Konkurrent um die beste Frisur des Turniers war ein Teamkollege: der schillernde Torhüter René Higuita mit seinen dicht gekrausten, bis auf die Schultern fallenden Haaren.

Wilde, lockige Mähnen waren lange die Domäne der Südamerikaner - bis zum denkwürdigen Auftritt des Deutschen Paul Breitner bei der Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land. Ebenso wuschelig präsentierten sich 1978 der Argentinier Alberto Tarantini und der Mexikaner Leonardo Cuéllar.

Vier Jahre danach, 1982 in Spanien, betraten die wohl berühmtesten Locken der Fussballgeschichte die WM-Bühne: diejenigen von Diego Armando Maradona, der die Haare damals noch deutlich länger trug als später in Mexiko, Italien und den USA.

Das Eröffnungsspiel der Endrunde 1990 in Italien war zugleich das WM-Debüt des Argentiniers Claudio Caniggia, der seine langen, blonden Haare mit einem dünnen Bändchen im Zaum hielt. Der "Sohn des Windes", wie der schnelle Stürmer auch genannt wurde, zählte zu den Lieblingen von Nationaltrainer Carlos Bilardo, der sich allerdings fürchterlich aufregen konnte, wenn einer seiner Spieler mehr mit dem Richten seiner Frisur als mit dem Geschehen um ihn herum beschäftigt schien.

Diego Forlán beschloss im Alter von 18 Jahren, sich die Haare wachsen zu lassen: "Mir gefiel mein neuer Look, aber ich wollte mir auf dem Platz nicht dauernd die Haare aus dem Gesicht streichen - also musste eine Lösung her." Dass sein Haarband zu einem Markenzeichen werden und eines Tages in einem Museum ausgestellt sein würde, hätte der Uruguayer damals wohl nicht gedacht.