Der Weihnachtsfrieden von 1914

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Der Weihnachtstag 1914, an dem die Geschütze verstummten und ein Fussballspiel zwischen Feinden möglich wurde, ist vielleicht eine der bekanntesten Geschichten des Ersten Weltkriegs.

In vier bitteren Jahren des Krieges in Europa starben Soldaten in einem in der Geschichte bis dahin beispiellosen Ausmass. Aber für einen Tag wurden die Feindseligkeiten beiseitegelegt, Geschenke ausgetauscht und das Niemandsland zwischen den beiden Schützengräben in ein Fussballfeld verwandelt.

Um dieses Spiel, das südlich des Dorfes Frelinghien und nördlich von Houplines an der französisch-belgischen Grenze stattgefunden haben soll, hat sich eine grosse Mystik entwickelt. Die Silvesterausgabe des Manchester Guardian enthielt einen Brief eines britischen Offiziers, in dem es hiess: "Ein Offizier traf einen Bayern auf halbem Weg zwischen den Linien, rauchte eine Zigarette und unterhielt sich mit ihm. Dann verbrüderten sich ein paar Männer auf die gleiche Weise, und heute herrscht wirklich Frieden. Männer redeten miteinander, und spielten Fussball mit einer Dose Rindfleisch, und ein Mann ging hinüber und schnitt einem Deutschen die Haare".

Angesichts des Zustands des Niemandslands wäre der Versuch eines richtigen Spiels tückisch gewesen. Der Boden war nicht nur mit Löchern von Patronenhülsen durchsät, es lagen auch überall leblose Körper. Tatsächlich ermöglichte es der Waffenstillstand beiden Seiten, die Toten zu bergen. Der Schwerpunkt mag auf einem improvisierten Spiel im Sektor Frelinghien - Houplines gelegen haben, aber der vorübergehende Weihnachtsfrieden wurde auch an anderer Stelle an der Frontlinie zwischen britischen und deutschen Truppen eingehalten.

Ein irischer Priester namens Ned Dowling führte ein Tagebuch über seine Erfahrungen. Jedoch mündete seinerseits der gute Wille an der Front nicht in einem Fussballspiel. Weihnachtslieder wurden von beiden Seiten gesungen und Zigarren geraucht. Dowling beendet allerdings seinen Bericht über den Tag mit den Worten: "Das Fussballspiel war übrigens ein Reinfall, da die Kanoniere den Befehl bekamen, einige Schüsse abzufeuern. Jemand wurde ausgesandt, um dies den Deutschen mitzuteilen. Er schien sich zu entschuldigen und erklärte, dass sie natürlich nichts damit zu tun hätten. Der Feind unterbrach ihn höflich mit der Erklärung, dass sie wüssten, was für egoistische Bestien Kanoniere seien".

An diesem Teil der Front in Flandern gab es also keine freundschaftlichen Fussballspiele, und es scheint auch nicht, dass welche entlang der von den Franzosen und Belgiern besetzten Linien stattfand. Beide Nationen hatten weitaus grössere Verluste erlitten als die Briten, und Weihnachten hatte wenig Jubel ausgelöst. Bis heute hält die Debatte über die Anzahl und Art der Spiele, die am Weihnachtstag 1914 ausgetragen wurden, an, obwohl wahrscheinlich keine davon formeller Natur waren. Interessanterweise gab es keine Berichte von deutscher Seite. Vielleicht ist dies nicht überraschend, denn damals war der Fussball in Deutschland, anders als in England, eine relativ marginale Sportart.

Vielleicht sollte das letzte Wort an den englischen Komödienschauspieler Rowan Atkinson (Mr. Bean) gehen. Die letzte Ausgabe seiner Blackadder-Serie spielt in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Als sich der Krieg dem Ende zuneigte, fragte sein treuer Kumpel Baldrick Captain Blackadder, ob er sich an das Spiel am Weihnachtstag erinnere. "Wie könnte ich das vergessen", kam seine Antwort. "Nie im Leben war ich im Abseits. Ich konnte diese Entscheidung nicht glauben!"