Die Spielregeln und der Frauenfussball

Während die Einführung der Frauenfussball-Weltmeisterschaft 1991 allgemein begrüsst wurde, gab es einen Aspekt, mit dem viele nicht glücklich waren…

Aus heutiger Sicht ist es kaum zu glauben, aber die Spiele bei der ersten Frauen-Weltmeisterschaft in der VR China dauerten tatsächlich nur 80 statt der üblichen 90 Minuten. Glücklich waren die meisten Spielerinnen und Trainer damit allerdings nicht. Ihrer Ansicht nach sollten dieselben Spielregeln gelten, wie für die Männer. Der entsprechende Beschluss „zum Schutz der Spielerinnen“ stiess bei den Betroffenen selbst auf harsche Kritik, zumal jeden zweiten Tag gespielt wurde. „Obwohl Frauen offenbar nicht 90 Minuten durchhalten konnten, hatten wir jeden zweiten Tag ein Spiel“, kritisierte etwa die amerikanische Stürmerin Michelle Akers. „Das war härter als jedes Männerturnier.“

Michelle Akers stemmt 1991 nach dem gewonnen Finale gegen Norwegen den WM-Pokal in die Höhe. © Imago
Michelle Akers mit dem WM-Pokal nach dem Finale 1991. © Imago

Auch die Wahl des Balls war umstritten, nachdem Funktionäre die kleinere Ballgrösse 4 empfohlen hatten  allerdings ohne Erfolg. Am Ende wurde dann doch mit der im Männerfussball gebräuchlichen Grösse 5 gespielt. Auch wenn man dies als Startschwierigkeiten abtun mag, zeigt noch ein weiterer Punkt, dass sich die FIFA mit dem Turnier durchaus etwas schwertat. So trug das Turnier auf Englisch anfänglich den sperrigen Namen „FIFA World Championship for Women’s Football“ und erhielt erst 1999 bei der dritten Ausgabe den Namen „World Cup“. Der neue Status wurde dann auch mit der Schaffung eines neuen Pokals untermauert.

Für das Turnier 1995, das trotz aller Spitzfindigkeiten dennoch von allen WM genannt wurde, wurden die Spiele auf je 90 Minuten verlängert und gemäss den im Männerfussball geltenden Spielregeln ausgetragen. Auch bei den Offiziellen, die die Spielregeln auf dem Platz durchsetzen sollten (sprich Schieds- und Linienrichterinnen), war die FIFA aktiv geworden. Nachdem 1989 in Norwegen ein erster Kurs durchgeführt wurde und bei der WM 1995 erst zu etwas mehr als der Hälfte Frauen im Einsatz standen, liegen die Spiele seit der WM 1999 in den USA ganz in weiblicher Hand. Als weiteres Zeichen der Gleichberechtigung wurden die Begriffe „Linienrichter“ und „Linienrichterin“ durch die im Englischen geschlechtsneutrale Bezeichnung „Schiedsrichterassistent“ ersetzt.

Mit ihrer Einfachheit und universellen Anwendung tragen die Spielregeln bis heute zur weitverbreiteten Popularität des Fussballs bei. Daran konnten auch die Probleme bei den ersten Ausgaben der Frauen-Weltmeisterschaften nichts ändern.

 

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