Die ungekrönten Meister Südamerikas

Dem verschossenen Elfmeter von Lionel Messi im Finale der Copa América Centenario folgte der Rücktritt des Argentiniers von der internationalen Fussballbühne. Der Angreifer des FC Barcelona spielte über 120 Minuten hinweg auf beeindruckende Weise, musste aber am Ende dennoch mitansehen, wie die Chilenen die Trophäe in die Höhe stemmen durften. Messi gelang es einmal mehr nicht, seine Mannschaft zum Turniersieg bei der Copa América zu führen. Dabei ist er nicht alleine...

Für die besten Fussballer der Welt scheint es seit fast 50 Jahren wie verhext zu sein. Zumindest dort, wo das älteste Turnier der Welt ausgetragen wird. Die Copa América scheint den Superstars kein Glück zu bringen.

Diego Armando Maradona und Edson Arantes do Nascimento alias Pelé haben sich mehrfach auf dieser grossartigen Bühne versucht und sind stets gescheitert. Nicht besser ergeht es derzeit Lionel Messi. Auch er ist einer dieser Ausnahmekönner, die immer wieder vergeblich Anlauf nehmen, während andere mit weniger klangvollen Namen den Titel längst gewonnen haben.

Pelé – o Rei – war nur einmal bei der Copa dabei: 1959 in Buenos Aires, nachdem Brasilien wenige Monate zuvor in Schweden den WM-Titel gewonnen hatte und damit Titelfavorit Nummer eins war, zumal die Seleção unter Vicente Feola so stark besetzt war wie kaum einmal sonst bei der Südamerikameisterschaft.

Neben dem besten Spieler der Welt, der gerade einmal 18 Jahre alt war, standen mit Zito, Zagalo, Bellini, Nilton und Djalma Santos, Dino Zani, Didí und Paulo Valentim weitere grosse Namen in der brasilianischen Equipe, die den Titel damit schon in der Tasche zu haben schien. Doch ausgerechnet die Argentinier, die 1958 in Schweden ein wahres Desaster erlitten hatten, schnappten dem Favoriten den Titel weg.

Pelé konnte sich mit acht Toren immerhin mit dem Titel des Torschützenkönigs trösten. Bei fünf der sechs Spiele Brasiliens traf er, auch beim 1:1 im Duell gegen die Albiceleste. Nur den uruguayischen Torhüter Juan Carlos Leiva vermochte er nicht zu bezwingen, der dafür drei Tore von Paulo Valentim kassierte.

Nach 1959 begann für Argentinien eine lange Durststrecke, die erst 1991 in Chile endete, als Alfio Basile die Albiceleste zum Sieg führte. In diesen 32 titellosen Jahren setzte Diego Armando Maradona dreimal zum Sturmlauf an, kam aber nie über einen dritten Platz hinaus.

1979, als die Copa nicht in Turnierform, sondern mit Hin- und Rückspielen in verschiedenen Ländern ausgetragen wurde, versuchte Maradona in einer Mannschaft fast ohne Weltmeister von 1978, dafür mit vielen jungen Talenten und Ersatzspielern erstmals sein Glück. In zwei Partien schoss er einen Treffer und konnte so letztlich nicht verhindern, dass Argentinien wie immer in der Ära von César Luis Menotti an Brasilien scheiterte.

1987 kehrte Maradona als Weltmeister auf die Bühne der Copa América zurück, nachdem die CONMEBOL den Turniermodus wieder geändert hatte und mit Argentinien wieder zum traditionellen Modell mit einem Austragungsort zurückgekehrt war.

Im Auftaktspiel gegen Peru erzielte die Nummer zehn ein Tor, danach zwei weitere Treffer gegen Ecuador. Trotz seiner Tore konnte aber auch er den insgesamt blamablen Auftritt der Albiceleste nicht verhindern. Es blieb ein enttäuschender vierter Platz nach der Halbfinalniederlage gegen Uruguay und dem 1:2 im Spiel um Platz drei gegen Kolumbien.

Auch der dritte Anlauf blieb ohne Erfolg. 1989, als Argentinien als Titelhalter bereits für die Weltmeisterschaft 1990 in Italien qualifiziert war, wollte der "Fussballgott" unter Carlos Salvador Bilardo seine Titelsammlung endlich komplettieren.

In der Vorrunde gaben sich die Argentinier keine Blösse und mussten auf dem Weg in die Endrunde mit vier Teams keinen einzigen Gegentreffer hinnehmen. Allerdings schossen sie auch nur zwei Tore – keines der beiden von Maradona. Die Endrunde wurde dann zum Debakel. Argentinien erzielte keinen einzigen Treffer – wie auch in den Monaten danach – und musste mit Rang drei vorliebnehmen.

Ebenfalls mehrere Anläufe hatte Lionel Messi genommen. 2007 erreichte er unter Trainer Basile souverän das Finale, in dem es gegen Brasilien dann aber eine deutliche Niederlage absetzte. 2011 war schon im Viertelfinale Endstation, nachdem die Albiceleste im Elfmeterschiessen an Uruguay gescheitert war. 2015 war der Titel zum Greifen nah, doch die Argentinier verloren im Finale wiederum im Elfmeterschiessen und mussten mitansehen, wie Chile seinen ersten Titel bei der Copa feierte. Und 2016 in den USA konnte Messi die Chance, sich den Titel zu holen, der Pelé und Maradona zeit ihrer Karriere verwehrt geblieben ist, abermals nicht nutzen.

Angesichts von gerade einmal 29 Jahren hätte Messi durchaus die Möglichkeit, auch in der Zukunft noch das zu schaffen, was Pelé und Maradona verwehrt geblieben ist: die Copa zu gewinnen. Doch nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft scheint es nun so, als würde sich ihm diese Chance nicht mehr bieten.