Geschichtsträchtiges Trikot in Grün-Gold

Im Juni 1988 wurde in der chinesischen Provinz Guangdong das erste internationale Frauenfussballturnier ausgetragen.

Mit dabei waren zwölf Teams aus allen sechs Konföderationen, darunter auch Australien, das Brasilien zum Auftakt mit 1:0 bezwang. Dieses Hemd stammt von der damaligen australischen Mittelfeldspielerin Moya Dodd, die heute dem FIFA-Exekutivkomitee angehört. Es war der erste Auftritt ihres Landes bei einem internationalen FIFA-Frauenturnier.

Dodds Team qualifizierte sich trotz Niederlage gegen die späteren Siegerinnen aus Norwegen mit einem 3:0 gegen Thailand für das Viertelfinale. Dort allerdings erlitt es gegen Gastgeber China eine 0:7-Niederlage. Diese Partien, die heute offiziell als Freundschaftsspiele gelten, ebneten den Weg zur ersten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ im Jahr 1991.

"Wir waren uns alle sehr bewusst, dass dies das erste FIFA Turnier war - ein Vorläufer für die FIFA Frauen Weltmeisterschaft," sagte Dodd dem Museum. 

"Es war das FIFA-Debut unseres Lands, wenn Sie so wollen. Wir wussten, dass wir Geschichte schreiben und wir spürten auch den Druck, dem Frauenfussball eine große Bühne zu bereiten, so dass die FIFA die Frauen WM institutionalisieren und uns den regelmäßigen, weltweit beachteten Wettkampf geben würde, den wir uns alle wünschten." 

"Es ist meine schönste Erinnerung im internationalen Fussball. Abgesehen davon, dass wir Fussballgeschichte schrieben, war ja auch der Ort für mich etwas Besonders. Meine Mutter war eine Chinesin, die in Australien geboren wurde, hatte also Wurzeln in der Region, was für die Einheimischen natürlich interessant war. In den 80igern waren Chinesen aus Übersee immer noch etwas Exotisches und eine Zeitung titelte: "Die Heimkehr", obschon ich vorher niemals dort gewesen bin!" 

Dieses bahnbrechende Turnier, das auch als FIFA-Einladungsturnier bezeichnet wird, geht auf eine Rede der norwegischen Delegierten Ellen Wille zurück, die beim 45. FIFA-Kongress 1986 in Mexiko als erste Frau überhaupt bei einem FIFA-Kongress das Wort ergriff.  

Wille forderte die FIFA auf, den Frauenfussball stärker zu fördern, woraufhin dieses Turnier organisiert wurde. Gemäss Sitzungsprotokoll des Exekutivkomitees sollte dieses in erster Linie zeigen, ob der Frauenfussball das Potenzial für eine eigene Weltmeisterschaft hatte.

45 000 Zuschauer verfolgten das Eröffnungsspiel zwischen China und Kanada, und auch im weiteren Turnierverlauf war das Interesse gross – im Schnitt waren es 20 000 Zuschauer pro Spiel. Unter ihnen befand sich auch FIFA-Präsident João Havelange, der dem Turnier damit offizielle Weihen verlieh. Im Finale gewann Norwegen gegen Schweden mit 2:1 den Titel. Platz drei und vier gingen an Brasilien und China.  

Der Frauenfussball hatte offenbar den Test bestanden, denn bereits 18 Tage später beschloss die FIFA, offiziell eine Frauen-Weltmeisterschaft einzuführen.

[QUOTE Person="The Manchester Guardian 1895 zum ersten offiziellen Frauenfussballspiel." Phrase="“Wenn der Reiz des Neuen vorüber ist, wird der Frauenfussball wohl niemanden mehr begeistern."]

Heute spielen 30 Millionen Mädchen und Frauen weltweit organisiert Fussball. 1,35 Millionen Fans strömten zu den Spielen der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ – ein neuer Rekord. In der Ausgabe 2016 kann das FIFA-Videospiel von EA Sports erstmals auch mit Frauennationalteams gespielt werden. Das alles zeigt: Der Frauenfussball ist populärer denn je. 

"Jahrzehntelang war Frauenfussball in vielen Orten der Welt mit einem Bann belegt, so auch in Brasilien, gegen die wir an diesem Tag spielten. Frauenfussball musste eine Menge nachholen", so Dodd, die den nachfolgenden Boom des Frauenfussballs als Mitglied des FIFA Exekutivkomitees mitgestaltet hat. 

"Es geht immer noch aufwärts, aber es ist schon unglaublich, wie weit es der Frauenfussball seit diesem ersten Spiel gegen Brasilien gebracht hat. Wenn wir eine echte Gleichberechtigung im Fussball erreichen, wenn wir den Zugang aller Altersklassen sichern können, gut repräsentiert sind und einen fairen Anteil an den Ressourcen erhalten, ist nur der Himmel die Grenze unseres Erfolges."