Indien ist Asienmeister

Was macht diesen Spielbericht so besonders?
Es handelt sich um den Spielbericht des Finales der Asien-Spiele 1962 in Jakarta in Indonesien, der belegt, dass Indien damals das beste Team in Asien war, auch wenn sich das viele kaum vorstellen können. Mit dem 2:1 gegen Südkorea im Senayan-Stadion – heute als Gelora-Bung-Karno-Stadion bekannt – gewann Indien den Titel und damit die Goldmedaille.

Aber muss man nicht den Asien-Pokal gewinnen, um das beste Teams Asien zu sein?
Heute schon, aber in den 1950er- und 1960er-Jahren waren die Asien-Spiele und der Asien-Pokal auf einer Stufe. Da es in Asien damals noch kaum Profis gab, konnten die besten Spieler beide Turniere bestreiten, womit es faktisch alle zwei Jahre eine Asienmeisterschaft gab.

War Indiens Triumph Zufall?
Nein, Indien hatte schon das erste Fussballturnier bei den Asien-Spielen 1951 – fünf Jahre vor dem ersten Asien-Pokal – gewonnen, dank einem 1:0 im Finale gegen Iran in Neu Delhi. 

Was war das Geheimnis ihres Erfolges?
Viele führen ihn auf Trainer S. A. Rahim zurück. Er betreute das Team nicht nur 1951 und 1962 bei den Erfolgen bei den Asien-Spielen, sondern auch beim Olympischen Fussballturnier 1956 in Melbourne, bei dem Indien das Halbfinale erreichte. Er war ein grossartiger Fussballlehrer und liess bei den Olympischen Spielen ein revolutionäres 4-2-4-System spielen, dem Brasilien zwei Jahre später bei der Weltmeisterschaft 1958 zum Durchbruch verhalf.

Wer war der Star in Indiens Team?
P. K.Banerjee. 2004 wurde er für seine Leistung für den indischen Fussball von der FIFA mit dem Jubiläumsverdienstorden geehrt. Einer seiner grössten Erfolge war das 1:0 im Finale 1962. Aber es gab noch andere wie Jarnail Singh, der für Indien das zweite Tor erzielte. Er war ein knallharter Verteidiger. Er spielte das Finale mit einer genähten Wunde am Kopf und schoss dennoch den Siegtreffer ... und zwar per Kopfball!

Wer waren damals die grössten Rivalen Indiens?
Die Südkoreaner, die schon damals sehr stark waren. Sie gewannen 1956 und 1960 den Asien-Pokal, was den indischen Sieg 1962 im Finale zusätzlich aufwertet. Sieger der Asien-Spiele 1958 war die Republik China – heute Chinese Taipei –, die 1962 aber nicht dabei war, ebenso wenig Israel, Sieger des Asien-Pokals 1964.

Wieso waren sie nicht dabei?
Die indonesischen Organisatoren verweigerten den Athleten aus den beiden Nationen die erforderlichen Visa und sorgten damit für einen Eklat. Die Israeli waren erbost und schrieben FIFA-Präsident Stanley Rous. Da die FIFA aber nicht Organisatorin der Asien-Spiele war, konnte sie nichts ausrichten. Es war nicht das letzte Mal, dass Israel und die Republik China im asiatischen Fussball am grünen Tisch für rauchende Köpfe sorgten.

Schmälert das die indische Leistung?
Nein, keineswegs. Zu Beginn des Turniers kritisierte der indische Teammanager G. D. Sindhi die Indonesier öffentlich für den Ausschluss Israels und der Republik China. Das indische Team wurde deshalb während des ganzen Turniers von den heimischen Fans angefeindet. Jarnail Singh musste sich seines auffälligen Turbans wegen auf der Fahrt zum Finale im Bus auf den Boden legen, um nicht erkannt zu werden. 100 000 Zuschauer im ausverkauften Stadion buhten während der indischen Nationalhymne und bejubelten jede Ballberührung der Koreaner. Schon allein deshalb war es ein herausragender Triumph, vielleicht gar der grösste in der Geschichte des indischen Fussballs!