Lippi und das Geheimnis seiner Brille

Die "Squadra Azzurra" bricht in Jubelstürme aus. Soeben hat Fabio Grosso im Berliner Olympiastadion den entscheidenden Elfmeter verwandelt und die Italiener damit bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™ auf den Thron geschossen. Reservisten, Offizielle und Assistenztrainer rennen auf das Spielfeld und feiern. Nur einer bleibt ruhig - wenn auch nur für einen kurzen Moment.

Nationaltrainer Marcello Lippi dreht sich von der Szenerie weg, nimmt seine Brille ab und legt sie behutsam auf die Bank. Dann rennt er ebenfalls los und bejubelt mit seinem Kader den soeben gewonnenen vierten WM-Titel Italiens, auf den das Land fast ein Vierteljahrhundert warten musste. Die erste Reaktion des Erfolgscoaches mag ungewöhnlich erscheinen, doch Lippi hatte all das schon einmal durchlebt - fast.

Zehn Jahre zuvor hatte er als Trainer von Juventus Turin sein Team im Finale der UEFA Champions League 1995/96 zum Triumph geführt. Gegen Ajax Amsterdam ging "Juve" früh in Führung, doch der niederländische Topklub konnte ausgleichen und man ging ins Elfmeterschiessen. Die "Bianconeri" behielten die Nerven und gewannen am Ende mit 4:2. Lippi rannte sofort auf das Spielfeld, um zu feiern, und verlor dabei seine Brille. Später sollte er sie im Gras des Olympiastadions von Rom wiederfinden - in gebrochenem Zustand.

Dieser Fehler unterlief ihm 2006 nicht noch einmal. Stattdessen nahm er sich im wohl emotionalsten Moment seiner Trainerkarriere die Zeit, erst die Brille in Sicherheit zu bringen. Genau jene Brille, welche nun als Teil des Ausstellungsbereichs über die WM 2006 im FIFA World Football Museum zu sehen sind.

Schauen Sie sich die Highlights des WM-Endspiels 2006 noch einmal an: