Sir Stanley Rous: Im Auftrag der Spielregeln

Von allen FIFA-Präsidenten ist Sir Stanley Rous bis heute der einzige, der während eines internationalen Spiels auf dem Spielfeld selbst eine aktive Rolle ausgeübt hat.

Als einer der führenden Schiedsrichter in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren leitete Rous erstmals ein Länderspiel, als die Niederlande im März 1927 in Antwerpen auf Belgien trafen. Die letzte internationale Partie, die er pfiff, war eine WM-Qualifikationspartie im Jahre 1934, in der ebenfalls die Niederländer und die Belgier aufeinandertrafen - einen Tag, nachdem er das FA-Cup-Finale zwischen Manchester City und dem FC Portsmouth leitete.

Rous konnte von diesen Erfahrungen durchaus profitieren, als er im gleichen Jahr (1934) die Position des Sekretärs beim englischen Fussballverband (FA) übernahm. Auch wenn er mit dieser Aufgabe vor allem den englischen Fussball verwalten sollte (er war erst der dritte nach Charles Alcock und Frederick Wall, der seit 1870 diese Stellung ausübte), gehörte es auch zu seinen Verantwortungen, dem IFAB zu dienen. Somit erhielt er sich sein internationales Profil. Rous wird für immer auch als derjenige in Erinnerung bleiben, der die Spielregeln neu überarbeitet hat.

Als er sein Büro als FA-Sekretär bezog, waren die Spielregeln seit der vorherigen Überarbeitung im Jahr 1891 bereits so häufig geändert und ergänzt worden, dass es immer schwieriger wurde, sie zu verstehen. Über zwei Jahre hinweg arbeitete Rous sehr gewissenhaft daran, die Spielregeln neu zu organisieren und zu verschriftlichen, ehe er die neue Fassung, die auch als "die Rous-Regeln" bekannt sind, im Jahr 1936 präsentierte. Weitere zwei Jahre später (1938) wurden diese vom IFAB im Rahmen einer Versammlung als die neuen Spielregeln anerkannt.

Eines der herausragenden Objekte in der Dauerausstellung des FIFA World Football Museums ist Rous' handgeschriebener Entwurf dieser neuen Spielregeln. Seine Erfahrungen als internationaler Schiedsrichter sowie seine Arbeit als Autor der überarbeiteten Spielregeln halfen ihm dabei, 1961 die Wahl zum FIFA-Präsidenten zu gewinnen - eine Position, die er bis 1974 inne hatte. In seinem späteren Leben bezeichnete Rous seinen handgeschriebenen Entwurf der Spielregeln als seinen wertvollsten Besitz und präsentierte ihn der FIFA kurz vor seinem Tod im Jahr 1986.