Stade Abidjan’s unglaubliches Weihnachtscomeback

Joseph Bléziri von Stade d'Abidjan (links) flankt den Ball in den Strafraum.
Joseph Bléziri von Stade d'Abidjan (links) flankt den Ball in den Strafraum. © Jacob Adjobi/Mahjoub Archive/FIFA Museum

Das Rückspiel des Finales der CAF Afrikanischen Champions League 1966 wurde am Weihnachtstag ausgetragen. Es erwies sich als ein festliches Spiel mit einem der grössten Comebacks in der Geschichte des Turniers.

Mit dem Sieg von Al Ahly im Finale der CAF Afrikanischen Champions League 2020 gegen den erbitterten Rivalen Zamalek konnte die Mannschaft ihren Rekord ausbauen und zum neunten Mal Afrikameister werden. Das lange verschobene Spiel war für Mai angesetzt worden, doch Covid erzwang die Verschiebung auf Ende November. Die Verspätung weckte Erinnerungen an die Zeit, als das Finale immer ein Bestandteil der Vorbereitung auf die Weihnachtszeit war. Tatsächlich wurde einmal, 1966, das Rückspiel des Finales am Weihnachtstag selbst ausgetragen. Und was für ein festliches Spiel war es doch, mit einem der grössten Comebacks in der Geschichte des Turniers.

1966 steckte der organisierte kontinentale Klubfussball in Afrika noch in den Kinderschuhen. Im Jahr zuvor hatte Oryx Douala aus Kamerun im ersten Finale der afrikanischen Klubmeisterschaft das malische Stade Malien geschlagen und den N'Krumah Cup gewonnen, der nach dem wegweisenden Unabhängigkeitsführer Ghanas, Kwame N'Krumah, benannt ist. Nur neun Mannschaften spielten im ersten Turnier und von den zwölf Mannschaften, die 1966 teilnahmen, kamen bis auf zwei alle aus den neuen unabhängigen Staaten Westafrikas.

Der Titelverteidiger Oryx musste sich im Halbfinale Real Bamako aus Mali geschlagen geben, bei denen der 20-jährige Salif Keita spielte. Keita, oder Domingo, wie er genannt wurde, galt bereits als der Star des afrikanischen Fussballs und sollte auch in Europa mit Saint-Etienne und Valencia Ruhm und Reichtum erlangen. 1970 wurde er von France Football zum ersten afrikanischen Fussballer des Jahres gewählt. Im Finale trafen Keita und seine Mannschaftskameraden auf Stade d'Abidjan von der Elfenbeinküste, das den sudanesischen Meister Al Hilal im Halbfinale besiegt hatte.

Keita schien Real Bamako mit zwei Treffern im Hinspiel im Stade Omnisports in Bamako bereits in Reichweite des Pokals geschossen zu haben. Ein drittes Tor von Mannschaftskapitän Idrissa Touré, der als Nani bekannt war, sorgte für eine komfortable 3:1-Führung, die es Rückspiel, zwei Wochen später am Weihnachtstag in Abidjan, zu verteidigen galt.

Das Stade Félix Houphouet-Boigny in der ivorischen Hauptstadt Abidjan gehört vielleicht zu den malerischsten der Welt. Eingebettet an den Ufern einer der vielen Lagunen, um die herum die Stadt gebaut wurde, steht es seit 1952 im Zentrum des ivorischen Fussballs. Die Akademie des ivorischen Klubs ASEC Mimosas befindet sich am gegenüberliegenden Ufer und gibt den jungen Hoffnungsträgern einen Ausblick auf ihre Zukunft. Doch 1966 waren es die Anhänger von Stade d'Abidjan, dem damals bei weitem erfolgreichsten Klub des Landes, die am Weihnachtstag den Weg ins Stadion fanden.

Titelbild der Tageszeitung "Fraternité Matin" aus der Elfenbeinküste vom Tag nach dem Finale (26.12.1966)
Titelbild der Tageszeitung "Fraternité Matin" aus der Elfenbeinküste vom Tag nach dem Finale (26.12.1966) © Fraternité Matin/Mahjoub Archive

Sie hofften auf ein Weihnachtswunder und bemerkenswerterweise bekamen sie eines. Keita mag der Star der Mannschaft von Real Bamako gewesen sein, aber Stades Mittelfeldspieler Lamizana spielte das Spiel seines Lebens und nahm Keita komplett aus dem Spiel. Stattdessen spielte Stades 22-jähriger Maurice Déhi eine erste Halbzeit für die Ewigkeit und erzielte zwei Tore, die Stade wieder ins Rennen brachten. Die erste fiel nach einer halben Stunde, als er die Real-Verteidigung nach einem Pass von Henri Ahibo im Tiefschlaf erwischte. Sein zweites Tor, kurz vor der Halbzeit, folgte einem feinen Lauf von der Mittellinie durch Joseph Bléziri.

Stade brauchte noch ein drittes Tor zum Sieg, aber das Spiel drohte ihnen in der zweiten Halbzeit zu entgleiten, als Real die ivorische Abwehr ständig unter Druck setzte. Doch der Torhüter Emmanuel Ezan sorgte zusammen mit dem Pfosten für ein Gesamtergebnis von 3:3 nach 90 Minuten. Es ging also in die Verlängerung. Sieben Minuten nach Beginn der ersten Hälfte verstummte die Menge, als Real durch Moussa Diallo verdientermassen in Führung ging. Der N'Krumah Pokal schien für Mali bestimmt zu sein.

In der zweiten Halbzeit der Verlängerung nutzte Stade d'Abidjan alle verfügbaren Auswechslungen und 12 Minuten vor Schluss köpfte Ahibo eine Flanke von Guy Cissoko ins Tor. Nur zwei Minuten vor dem Ende und mit einem Wiederholungsspiel vor Augen setzte Bléziri aus 30 Metern einen gewaltigen Schuss in Richtung Tor ab. Sidicki Sackho im Tor von Real hatte keine Chance. Unglaublicherweise war Stade d'Abidjan Afrikameister.

In der gesamten ivorischen Hauptstadt wurde ausgelassen gefeiert. Lagerfeuer wurden entzündet und die Feierlichkeiten dauerten bis weit in die Weihnachtsnacht hinein. Noch Tage danach wurde die Mannschaft im ganzen Land gefeiert. Für Stade sollte es jedoch der Höhepunkt ihres Erfolges sein. In den folgenden Jahren wurden sie sowohl von ASEC als auch von Africa Sports in den Schatten gestellt. Der Ligatitel 1969 erwies sich bisher als ihr letzter. Aber sie werden immer als die erste ivorische Mannschaft in Erinnerung bleiben, die als Afrikameister gekrönt wurde, und es würde 32 Jahre dauern, bis ASEC den gleichen Anspruch erheben könnte.

Was Mannschaften aus Mali anbelangt, sie konnten sich seit den ersten beiden Endrunden bisher leider nicht mehr qualifizieren.