Unglückszahl 13: Die ersten Spielregeln neu entdeckt

Am Sonntag, 6. März, gab der IFAB für erste Tests mit der Videotechnologie grünes Licht. 152 Jahre nach ihrem Erlass machen die Spielregeln damit einen weiteren Schritt Richtung Zukunft.

Haben sich die Spielregeln in diesen 152 Jahren stark verändert?
1863 war der Fussball komplett anders und erinnerte eher an Rugby. Von den 13 ursprünglichen Spielregeln ist kein Satz geblieben.

Waren es nicht 14 Regeln? So steht es schliesslich in den meisten Geschichtsbüchern...
Stimmt, aber sie liegen alle falsch. Selbst der einstige FIFA-Präsident Stanley Rous verlor den Durchblick, obwohl er ein Experte in Sachen Spielregeln war. Von 1934 bis 1936 hatte er mit seiner immensen Erfahrung als Schiedsrichter die Regeln neu verfasst (sein von Hand geschriebener Entwurf ist im FIFA Welt Fussball Museum ausgestellt). Nach dem Rücktritt als FIFA-Präsident 1974 schrieb Rous die definitive Geschichte der Spielregeln und bezog sich dabei auf 14 ursprüngliche Regeln.

Wie konnte es zu einem solchen Irrtum kommen?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir bis in den November 1863 zurückgehen. Am 26. Oktober war in London der englische Fussballverband gegründet worden. Er sollte zur Vereinheitlichung der verschiedenen Fussballformen, die in Schulen und an Universitäten in ganz England gespielt wurden, Spielregeln erlassen. Erst bei der zweiten und dritten Sitzung am 10. und 17. November ging es aber wirklich um die Spielregeln. Auf einer ersten Liste standen 23 Regeln. Der Verbandssekretär Ebenezer Cobb Morley erhielt den Auftrag, diese umzuformulieren und zur Genehmigung eine definitive Liste zu drucken. Bei der vierten Sitzung eine Woche später am 24. November präsentierte er seine Liste mit 14 Spielregeln.

 

Also hatte Rous doch Recht...
Nicht wirklich, denn über die Spielregeln entbrannte eine hitzige Debatte. Die meisten Sitzungsteilnehmer waren Geschäftsleute und hatten an den eher brutalen Aspekten des Sports gar keine Freude. Wegen der Gefahr von Verletzungen, die Spieler von der Arbeit abhalten könnten, entschärfte Morley einige seiner Vorschläge. Andere wehrten sich aber dagegen, dem Schulsport die Härte zu entnehmen. Zu ihnen gehörte insbesondere der junge Schatzmeister des Verbands, Francis Maule Campbell, vom Klub Blackheath. Die Sitzung wurde deshalb ergebnislos vertagt.

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Wie ging es weiter?
Morley wollte eine Spaltung verhindern und berief für den 1. Dezember deshalb eine fünfte Sitzung ein, bei der er eine neue Liste mit 13 Regeln vorlegte, die die Gemüter besänftigen sollte. Diese hatte aber einen Haken: Dem Gegner absichtlich gegen das Schienbein zu treten, war nicht mehr erlaubt. Nach einer weiteren hitzigen Debatte, bei der sich Blackheath aus Protest aus dem englischen Fussballverband zurückzog, wurden diese 13 Regeln schliesslich verabschiedet.

Und wieso ist dennoch von 14 Regeln die Rede?
Die Geschehnisse sind im Protokollbuch des englischen Fussballverbands genau festgehalten. Morleys erste Liste mit den Regeln 14 war gedruckt und so ins Buch geheftet worden, während die 13 Regeln von Hand geschrieben waren. Die meisten Forscher nahmen deshalb an, dass die gedruckte Fassung galt. Oder sie konnten Morleys Handschrift nicht lesen!

Morley scheint eine interessante Figur zu sein...
In der Tat. Die Fussballfans haben Ebenezer Morley viel zu verdanken. Er verfasste in seinem Haus an "26 The Terrace" in Barnes in London die Spielregeln. Später wurde am Gebäude zum Gedenken eine blaue Tafel angebracht. Das Haus hatte einige bekannte Bewohner, etwa die walisische Sängerin Duffy. Im November 2015 stürzte das Haus bei Bauarbeiten aber ein, womit ein wichtiges Denkmal verloren ging.