USA 1994: Eine Weltmeisterschaft der Premieren

Die 15. FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™, die 1994 in den USA über die Bühne ging, gilt als eine der erfolgreichsten Sportveranstaltungen weltweit. Mit insgesamt 3.587.538 Zuschauern und einem Schnitt von 68.991 Fans pro Partie setzte die vom 17. Juni bis 17. Juli an neun über das ganze Land verteilten Spielorten ausgetragene Endrunde zwei neue WM-Bestmarken, die bis heute Bestand haben.

Seinen besonderen Platz in der Fussballgeschichte verdankt USA 1994 aber nicht nur diesen Zuschauerrekorden, denn das Turnier brachte neben dem vierten Titelgewinn Brasiliens und dem ersten torlosen Endspiel eine ganze Reihe weiterer Premieren, die in die Annalen eingehen sollten.

Sieg = 3 Punkte

Die Weltmeisterschaft in den USA war die erste, bei der in der Gruppenphase für einen Sieg drei statt zwei Punkte vergeben wurden. Nach der WM 1990 in Italien, die in den Augen mancher Fans weniger Angriffsfussball geboten hatte als vorherige Turniere, sollte das neue System die Teams zu einer offensiveren Spielweise ermuntern.

Neue Rückpassregel

Ebenfalls als Reaktion auf Italien 1990 und zur Förderung des Spielflusses durften die Torhüter den Ball nach einem absichtlichen Rückpass eines Mitspielers nicht mehr mit den Händen berühren oder gar aufnehmen.

Erster Platzverweis für einen Torhüter

Italiens Gianluca Pagliuca kassierte am 23. Juni im Gruppenspiel gegen Norwegen als erster WM-Torhüter eine rote Karte, als ihn der deutsche Schiedsrichter Hellmut Krug wegen eines Handspiels ausserhalb des Strafraums in der 21. Minute vorzeitig unter die Dusche schickte. Obwohl sie somit fast die ganze Partie in Unterzahl bestreiten mussten, setzten sich die Italiener vor 74.624 Zuschauern im New York Giants Stadium dank einem Treffer von Dino Baggio am Ende mit 1:0 durch.

Streichung gelber Karten vor der K.-o.-Phase

Hatte ein Spieler in der Gruppenphase eine gelbe Karte erhalten, wurde diese vor dem Achtelfinale gestrichen. Spieler, die entweder in der Gruppen- oder der K.-o.-Phase zweimal verwarnt wurden, waren hingegen weiterhin für die nächste Partie gesperrt.

Ohne Werbeunterbrechungen

Bei den englischsprachigen Übertragungen aller 52 Partien im US-Fernsehen wurden während des laufenden Spiels keine Werbespots ausgestrahlt – in vielen Teilen der Welt nichts Ungewöhnliches, aber in den USA eine Premiere.

Einführung der FIFA-Hymne

Wenn die Spieler und Offiziellen vor dem Anpfiff den Platz betraten, wurden sie dabei erstmals von den Klängen der neuen, von Franz Lambert komponierten FIFA-Hymne begleitet.

Neue Farben für die Schiedsrichter

Statt der traditionellen schwarzen stellte die FIFA den Schiedsrichtern für dieses Turnier rote, gelbe und silberne Trikots zur Verfügung. Welches davon die Unparteiischen für ein Spiel wählten, hing von den Farben der beteiligten Teams ab.

Leichter identifizierbare Spieler

40 Jahre nach der Einführung von Rückennummern bei der WM 1954 ergänzte die FIFA die Trikots mit zwei weiteren Elementen. Neu trug jeder Spieler seine Nummer auch auf der Brust – bei den meisten Teams in der Mitte, bei Russland und Marokko rechts bzw. links –, und auf dem Rücken wurde zusätzlich sein Name angebracht. Auf diese Weise sollten die Akteure für Fernseh- und Radiokommentatoren leichter identifizierbar sein.

Erste WM-Partie in einem überdachten Stadion

Im Pontiac Silverdome vor den Toren Detroits wurde am 18. Juni beim 1:1 zwischen Gastgeber USA und der Schweiz vor 73.425 Zuschauern erstmals bei einer Weltmeisterschaft nicht unter freiem Himmel gespielt. Der Rasen wurde an der nahen Michigan State University angepflanzt und anschliessend im Silverdome verlegt, wo im Verlauf der WM noch vier weitere Partien stattfanden.

Der fünffache und der älteste Torschütze

Beim 6:1-Sieg Russlands gegen Kamerun am 28. Juni im Stanford Stadium von Palo Alto gelangen Oleg Salenko als erstem Spieler bei einer Weltmeisterschaft fünf Tore in einer Partie. Den Ehrentreffer für Kamerun erzielte der damals 42-jährige Roger Milla, der bis heute älteste Torschütze der Turniergeschichte. Sein 17-jähriger Teamkollege Rigobert Song war wenige Tage zuvor nach einem groben Foul an Brasiliens Bebeto als jüngster Spieler bei einer WM-Endrunde des Feldes verwiesen worden – auch das ein Rekord, der seither nicht gebrochen wurde.

Erster Auftritt des wiedervereinigten Deutschlands

Nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 nahm das wiedervereinigte Deutschland erstmals mit einem gemeinsamen Team an der Weltmeisterschaft teil. Im Viertelfinale verloren die Deutschen mit 1:2 gegen Bulgarien, obwohl sie zunächst in Führung gehen konnten. Mit einem über die Mauer geschlenzten Freistoss erzielte Hristo Stoichkov aber den Ausgleich, lag mit insgesamt sechs Treffern am Ende gleichauf mit Oleg Salenko und wurde gemeinsam mit dem Russen Torschützenkönig des Turniers.