WM 1966: Als die DVR Korea die Italiener schockte

Wenig schien 1966 auf einen grossen Auftritt der DVR Korea bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ hinzudeuten. Ohne grosse Fanfaren und mit geringen Erwartungen reisten Pak Doo-ik und seine Mitspieler nach England und sollten dennoch Geschichte schreiben.

Die DVR Korea hatte sich dank Erfolgen über Australien in den beiden Entscheidungsspielen qualifiziert, nachdem die meisten Nationen das Qualifikationsturnier für Afrika, Asien und Ozeanien boykottiert hatten, weil die drei Regionen gerade einmal einen WM-Startplatz erhalten hatten.

Trainer Myung Rye-hyun und sein Team nutzten die Chance und fegten Australien am 21. November 1965 in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh gleich mit 6:1 vom Platz. Drei Tage später machten sie an gleicher Stätte mit 3:1 schliesslich alles klar. Für die Koreaner war es die erste WM-Qualifikation überhaupt. Entsprechend gering waren die Erwartungen an ein Team, das kaum einer kannte.

"Wir dachten, dass wir mental zu allem bereit, topfit, schnell und dynamisch sein mussten, um gegen den Westen zu bestehen", erzählte Trainer Myung 2002 im BBC-Dokumentarfilm "The Game of Their Lives" (Das Spiel ihres Lebens). "Nach Ansicht unseres grossen Führers musste ein hervorragender Fussballer schnell rennen und präzise schiessen können."

Nach einer 0:3-Pleite zum Auftakt gegen die Sowjetunion in Middlesbroughs Ayresome Park wahrten die Nordkoreaner mit einem 1:1 gegen Chile – dank einem späten Tor von Pak Seung-zin – ihre Chancen auf ein Weiterkommen.

Das letzte Gruppenspiel musste entscheiden. Doch dort wartete das grosse Italien mit dem Starensemble von Inter Mailand, das sowohl 1964 als auch 1965 den Europapokal gewonnen hatte. Die Italiener waren allerdings auch schlecht ins Turnier gestartet und mussten ebenfalls gewinnen.

Es folgte eine der grössten Sensationen in der Geschichte der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. Dank dem Distanzschuss von Pak Doo-ik in der 40. Minute siegte die DVR Korea 1:0 und qualifizierte sich für das Viertelfinale gegen Portugal in Evertons Goodison Park.

Währenddessen musste Italien beschämt die Heimreise antreten und wurde am Flughafen in Rom von wütenden Fans empfangen und gar mit Früchten beworfen. "Die Italiener haben die Partie in erster Linie verloren, weil sie den psychischen Kampf verloren haben", sagte Trainer Myung den BBC-Dokumentarfilmern. "Nach dem Gegentreffer suchten sie zudem sofort den Ausgleich und spielten deshalb individuell und nicht als Team. Teamwork triumphierte über technische Überlegenheit."

Als erste asiatische Mannschaft erreichte die DVR Korea bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ damit die K.-o.-Phase und traf dort auf Portugal und die Benfica-Legende Eusébio. Die Koreaner liessen sich vom grossen Namen aber nicht beeindrucken und führten nach 20 Minuten bereits 3:0, ehe Eusébio den Startschuss zu einer fulminanten Aufholjagd gab.

Nach zwei Toren des gebürtigen Mosambikaners stand es zur Halbzeit noch 3:2 für den asiatischen Aussenseiter. Dank zwei weiteren Treffern des Benfica-Stürmers konnte Portugal das Blatt in der zweiten Halbzeit wenden und siegte schliesslich 5:3.

"Nach einer 3:0-Führung 3:5 zu verlieren, tat sehr weh", sagte Verteidiger Lim Zoong-sun. "Aber der Viertelfinaleinzug erfüllte uns mit Stolz. Wir fühlten uns als Sieger eines glorreichen Spiels und nicht als Verlierer, obwohl wir die Partie verloren hatten."

Myung und seine Mannschaft kehrten nach dieser Meisterleistung als Helden nach Pjöngjang zurück. Erst 2002 sollte wieder eine asiatische Mannschaft so weit kommen. Die Republik Korea, die die Endrunde zusammen mit Japan veranstaltete, schaffte es gar ins Halbfinale.